Mini Tagebuch geschrieben von Marion Spanoudakis
So ein Mini ist auch nur ein Mensch...Teil 2:
Wie ich ein neues Herz bekam
Einige Zeit ist vergangen, und Einiges ist passiert. Also im Nachhinein betrachtet wundert mich nicht, dass da mein kleines Herz irgendwann schlapp gemacht hat. Aber der Reihe nach.
Noch mehr Zuwachs
Also ihr wisst ja, dass ich mich langsam aber sicher an Zuwachs in unserer Familie gewöhnt hatte. Insofern nahm ich es auch ganz cool, als plötzlich eines Tages im Oktober wieder ein neuer Classic Mini im Hof stand. Er war metallic blau mit weißem Dach. Mama und Papa sprachen von „Winter-Mini“. Ich sollte geschont werden über die Winterzeit. Zu viel Schnee, Eis, Salz auf den Straßen würde mir nicht so gut tun.
Ja, damit war ich einverstanden. Winter-Mini und ich verstanden uns auf Anhieb. Alles war gut.
Bis zu dem Tag, als ich Papa plötzlich laut rufen hörte: „Er kommt!“ WER kommt????
Kurz darauf vernahm auch ich ein eher klapperndes Motorgeräusch und ein Mieeep – Mieeep – Gehupe. Und dann sah ich ihn um die Ecke in den Hof düsen. Er kam immer näher auf mich zu… uaahhhhh. Kurz vor mir blieb er Stehen. Puh, noch mal gut gegangen. Wie ich im Nachhinein erfuhr funktionierte nur noch seine Handbremse und er kam aus Portugal. Mit dem LKW. Weil der aber zu groß war, um in unserem Wohngebiet zu wenden, ließ ihn der Fahrer vorher ab und fuhr kurzerhand die letzten Kilometer selbst mit ihm.

Aus Portugal, ja und??? Und wie er aussah: So ein blasses Blau. Und ein schwarzes Nummernschild hatte er, mit irgendwelchen weißen Buchstaben und Zahlen. Und ein riesiges Lenkrad. Von vorne sah er zwar aus wie einer von uns. Aber hinten… also der war viel länger und ‚kastig’ und hatte so komische Fenster, die man auf und zu schieben musste, und überhaupt! Also das war alles sehr dubios. Aber bei Papa war die Freude groß. Und für den Neuen wurde sogar die Garage pikobello aufgeräumt und extra neue Gerätschaften gebaut - Spieß und Roller, oder so.


Naja, wen interessiert es… Auf jeden Fall durfte er in die Garage. „Komm, mach dir nichts draus“, meinten Brüderchen und Winter-Mini, „schau, mal, der ist noch älter wie du, und es scheint ihm wirklich nicht so gut zu gehen wie uns!“ „Ja, ja, ihr habt ja Recht, ist gut“. Ich sah ein, dass er es wirklich nötig hatte.
Ich bekam einen neuen Namen
Tatsache war, dass wir 'schwupp die wupp' zu viert waren. Und damit sie uns alle gut auseinander halten können, sollten die anderen auch einen Namen bekommen. Doch damit nicht gut: Auch ICH sollte einen neuen Namen bekommen. Jaaaaaa, stellt euch das mal vor: auf meine alten Tage tauften sie mich nochmals um. Mann, mann, mann, aber das scheint bei Menschen normal zu sein. Ich meine, manche wechseln ja ständig ihre Namen. Aber: psssst, das bleibt unter uns, muss Mama ja nicht wissen ;-).
Doch mal ehrlich: Haben Sie schon mal versucht, Menschen zu verstehen? Ich weiß mittlerweile: Es gibt Dinge, die kann man nicht verstehen, man kann sie einfach nur akzeptieren und trotzdem versuchen, froh sein... Oh, jetzt komme ich schon wieder ins philosophieren und das möchte ich hier ja nicht. Auf jeden Fall bin einfach nur froh, wenn sie froh sind mit uns Minis. – Meistens zumindest – hihi!
Jedenfalls heiße ich jetzt ‚Hulda’, mein schwarzes Brüderchen ‚Arnold’, der Blaue heißt ‚Alexander’ und den Neuen nennen sie Constantin. In Anlehnung an den Entwickler des klassischen Minis: Sir Issigonis.
Sir Alexander Arnold Constantin Issigonis wurde am 18. November 1906 als Sohn von Konstantin Issigonis, eines Griechen und dessen bayerischer Gattin Hulda in der damals zum Osmanischen Reich gehörigen und vorwiegend griechisch geprägten Stadt Smyrna, heute İzmir, Türkei geboren. Bei der Vertreibung der Griechen aus Smyrna im September 1922 floh er dann mit seinen Eltern auf einem britischen Schiff nach England.
Die Vornamen von Herrn Issigonis bekamen dann meine Brüder und ich bekam den Namen von Sir Issigonis’ Mama. Weil mein Frauchen in Bayern (München) geboren ist. Und auch die Omas von Frauchen und Herrchen in München lebten. Und weil mein Herrchen in der Türkei geboren und mein Frauchen Halb-Griechen ist. Schon witzig, die Verbindungen manchmal.
Tja, irgendwann kam der Frühling, und Mama und Papa meinten, dass sie jetzt keinen Winter-Mini mehr brauchen. Also ehrlich: Erst setzten sie mir einfach so Neue vor die Nase, und wenn ich mich endlich an sie gewöhnt habe: Weg, einfach so! Das könnt ihr doch nicht machen!!! Ich war traurig. Aber als ich dann die neue Mama von Alexander gesehen habe, war alles wieder gut. Sie war eine ganz liebe junge Dame und sofort verliebt in Alexander und so froh, endlich auch Mini fahren zu können. Und ich hatte ja auch noch meine anderen Brüder und ganz viele Freunde vom Stammtisch. Ich kann euch sagen: Jeden Mittwoch am Stammtischtag steht der Hof voller Minis und wir erzählen uns gegenseitig, was wir so alles mit unseren Mamas und Papas erleben… Nein, da verrate ich nix. Wir haben uns versprochen, dass das alles unter uns bleibt. ;-)
Und dann: Das große Ereignis IMM.
Internationales Mini-Treffen in Neumarkt (Bayern). Tausende klassische Minis aus der ganzen Welt waren angemeldet. Schon Wochen vorher wurde am Stammtisch geplant und besprochen. Alle wollten dabei sein. Mich haben sie aber nicht gefragt, ob ich dabei sein will. Nein, sie haben mich einfach mitgenommen. Ohne zu fragen, ob mir das überhaupt recht ist. War es mir nämlich nicht. Ich meine, ich hatte schon genug zu kämpfen mit Arnold aus Hamburg und Constantin aus Portugal. Und ich habe mich auch an die ganzen Stammtisch-Minis gewöhnt. Wir kennen uns inzwischen ja gut und sind sehr vertraut miteinander. Aber Tausende Minis? Unbekannte? Auf einem Haufen? Waaaah, das könnt ihr mir alten Dame doch nicht antun. Und wer weiß, plötzlich kommen sie noch auf den Gedanken, mich zu verkaufen. Wir wissen ja, dass das ganz schnell gehen kann. Aber wie gesagt: Sie haben mich nicht gefragt, sondern einfach bepackt um dann im strömenden Regen im Konvoi nach Neumarkt zu fahren. Aber nicht mit mir! Bereits nach 30 km habe ich ihnen gezeigt, dass ich nicht mit will und bin einfach stehen geblieben. Leider hat Papa relativ schnell herausgefunden, woran es lag (Verteiler hatte sich aus irgendeinem Grund verdreht, hm hm hm, wie das nur passieren konnte?) und so konnte der ADAC wieder von dannen und ich musste weiter ziehen. Aber nicht lange!!! Nach weiteren 50 km hatte ich eine Idee: Keilriemen. Ich wusste nämlich, dass sie keinen Ersatz dabei hatten und dass Mama keine Feinstrumpfhosen (Mini-Ersatz-Keilriemen) trägt. Ha! Jetzt hab ich euch! Schließlich bin ich gemütlich auf dem ADAC-Laster zur nächsten Raststätte gefahren. Arnold hat mir versichert, dass es ihm nichts ausmacht, Mama und Lea auch noch mitzunehmen.
Nach dem IMM haben sie mich dann mit neuem Keilriemen wieder abgeholt.
Das neue Herz
Also wundert ihr euch noch, dass bei all den Aufregungen das Herz einer alten Dame da schlapp macht? Was half es: Mama und Papa besorgten ein neues Herz für mich. Und soll ich euch was verraten: Es ist ein 1300er Cooper Vergaser Motor. Cool,gell??? Mir gefiel es gleich. Erst recht, seit Papa es optisch und technisch noch ein bisschen aufgepeppt hat.

Voller Freude ging er an den Einbau. Constantin war so nett, mir ein bisschen Platz in der Garage zu machen.

So hatten wir auch endlich mal Zeit, uns näher kennen zu lernen. Wir ‚Alten’ müssen schließlich zusammenhalten.
Papa werkelte und werkelte, stundenlang, in jeder freien Minute.
Ich wundere mich immer wieder, wie er solch komplizierte Sachen einfach so bewerkstelligt.
Dann war er endlich drin, der schöne Neue.

Er sprang sofort am. Wuuuum, wuuuum…und…ging gleich wieder aus. Was war das? Nach einigem Hin und Her: Benzinpumpe defekt! An dem neu erworbenen Motor. Ouh no, das war ärgerlich. Und Papa hat auch ein bisschen geflucht. „Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre der Einbau einer neuen Benzinpumpe leicht gewesen. Aber jetzt, das gibt ein sch…. ‚Gepfriemel’. Und ich weiß: ‚Gepfriemel’ mag er gar nicht. Grrrr! Verständlich! Aber ehrlich, ich schwör: Ich war’s nicht. Im Gegenteil, das tat mir jetzt echt total leid. Ich meine, nach allem, was sie in letzter Zeit mit gemacht haben. Tja, was half es, die neue Benzinpumpe musste rein. Nach weiteren zwei Stunden war auch das geschafft.
Und nun läuft er wieder, und soooooo schöööööön. Er bekommt auch ein ganz besonderes Öl.

Ja, jetzt bin ich wieder froh. Und Arnold auch, hat er mir gesagt. Weil es war schon ein bisschen langweilig für ihn ohne mich im Hof.

Und Mama ist auch wieder glücklich!
Merkt ihr 'was: So einfach ist es, Menschen glücklich zu machen!
Darauf trinken wir einen! Prost oder wie die Griechen sagen: Yeia mas!

... Hicks, jetzt kann ich aber nicht mehr schreiben. Bis bald ihr Lieben!